Wir nehmen den Lebensmitteln ihren Preis und geben ihnen ihren Wert zurück- Im April 2018 startet unser Gärtnerhof eine Solidarische Landwirtschaft.

Was ist eigentlich Solidarische Landwirtschaft?

In der Solidarischen Landwirtschaft geht es darum, dass ein Hof mit seinen Mitgliedern eine Gemeinschaft bildet. Der Hof baut Gemüse nicht für den anonymen Markt an, auf dem er dann in Konkurrenz zu anderen Betrieben seine Waren absetzen muß, sondern er erzeugt Lebensmittel gezielt für die Menschen in der Gruppe, die im Gegenzug die Arbeit und den Anbau finanzieren. Die Landwirt*innen und die übrigen Mitglieder der Gruppe bilden also eine Wirtschaftsgemeinschaft. Die vertragliche Bindung läuft jeweils für ein Jahr, sprich: eine landwirtschaftliche Saison lang. Die Produkte des Hofes werden unter den Menschen aufgeteilt, die Bewirtschaftungskosten werden gemeinsam von allen getragen. Hierdurch wird dem*der Landwirt*in ermöglicht, sich unabhängig von Marktzwängen einer guten landwirtschaftlichen Praxis zu widmen, den Boden fruchtbar zu erhalten und bedürfnisorientiert zu wirtschaften.

Das Modell stammt ursprünglich aus Japan, ist aber auch in den USA und im europäischen Raum insbesondere in Frankreich verbreitet. In Deutschland gibt es derzeit etwa 100 Solawi-Höfe und weitere 100 Initiativen in Gründung.

Der persönliche Bezug macht die gegenseitige Verantwortung bewusst. Die Mitglieder erleben, wie ihre Ernährungsentscheidung die Kulturlandschaft gestaltet, soziales Miteinander, Naturschutz und (Arten-)Vielfalt ermöglicht und so eine zukunftsfähige Landwirtschaft stattfinden kann.
Wesentlich ist also, dass eine Gruppe die Abnahme der Erzeugnisse garantiert und die Ernte bzw. die Bewirtschaftung der Flächen gemeinsam vorfinanziert. Alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte.

Die Situation der Verbraucher
Die Verbraucher haben in der Regel keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft und zur Herkunft der Produkte. Selbst als „regional“ angebotene Produkte kommen oft von weit her. Die geschmackliche Qualität der Lebensmittel sinkt durch die zunehmend industrielle Produktion.
In der Folge gibt es ein steigendes Bedürfnis nach regionalen und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln sowie danach, Landwirtschaft wieder persönlich zu erleben. Viele Menschen sorgen sich zudem um den Erhalt der Landschaft und der Natur und suchen nach Möglichkeiten, einen eigenen Beitrag zur Verbesserung der Situation in der Landwirtschaft zu leisten.

Die Situation der Landwirte
Während uns die Werbung eine romantische Welt mit Fachwerk-Bauernhöfen zeigt, sieht die Realität längst anders aus. Durch äußere Umstände wie (Welt-) Marktpreise, Import und Subventionen sind landwirtschaftliche Betriebe gezwungen, immer effektiver zu produzieren. Daraus ergibt sich ein Wachstumszwang und steigender Maschinen- und Kapitaleinsatz. Gleichzeitig sind Böden zum Spekulationsobjekt geworden. Durch diese Entwicklung sind die in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen gezwungen, über ihre persönliche Belastungsgrenze zu gehen und Boden und Tiere immer weiter auszunutzen. Die bäuerliche Landwirtschaft ist oft nicht mehr überlebensfähig.

Eine neue Art des Wirtschaftens
So einfach sich das auch anhört, so ist es doch eine völlig neue Art des Wirtschaftens, die für unser kapitalistisches System ungewöhnlich ist. Daher erfordert es bei allen Beteiligten ein Umdenken. An Stelle der anonymen Beliebigkeit eines Marktes entsteht ein solidarisches Miteinander zwischen Erzeugern und Verbrauchern, aber auch zwischen den Verbrauchern untereinander. Der persönliche Bezug macht die gegenseitige Verantwortung bewusst. Durch die wachsende Identifikation der Verbraucher mit „ihrem Hof“ können auch schwierige Situationen gemeinsam bewältigt werden. Für viele Fragen und Probleme finden sich innerhalb Verbrauchergruppe Fachleute.

Gestaltungsspielraum
Wie weit das Miteinander geht und wie es konkret gestaltet wird, hängt von den Beteiligten ab. Hierbei gibt es keine Regeln und es zeigt sich, dass die Initiativen sehr unterschiedlich sind. Üblich sind neben der jährlichen Mitgliederversammlung gelegentliche (freiwillige) Arbeitseinsätze und Hoffeste zur Gemeinschaftsbildung.

Die Möglichkeit, das Konzept durch weitere Ideen zu erweitern, ist jederzeit gegeben und hängt von den Bedürfnissen und der Initiative der Beteiligten ab.

Ausführliche Informationen zur Solidarischen Landwirtschaft gibt es auf der Webseite des Netzwerks für Solidarische Landwirtschaft